Tourbuch Extrem: Erotik Report München

Liebe Leser,
aus Gründen der Umsatzsteigerung und Leserbindung musste der erste Teil von Tom Gaebels Tourtagebuch leider inmitten der aufwühlendsten Stelle unterbrochen werden.
Wir möchten uns für diese unpopuläre Maßnahme entschuldigen und hoffen, Sie mit der – wenn auch etwas verspäteten – Fortführung der aufregenden Geschehnisse entschädigen zu können.
Zur Vorgeschichte:
Tourauftakt in München: Tom hat sich gerade auf die Bühne begeben und will zum Singen ansetzen, als ihn etwas erschaudern lässt.
Es bildet sich ein Kloß in seinem Hals, den er aber noch schnell ungekaut schlucken kann.
Das zusätzliche Körperzittern allerdings wird gerade durch den modisch eng anliegenden Anzug noch verstärkt und ist wohl für Jeden deutlich sichtbar!
Was mag der Grund dafür sein?
Tom hat jemanden im Publikum gesehen, den er aus der Vergangenheit kennt, eine schlechte Erinnerung.
Dieserjenige ist Tom in die Gegenwart gefolgt indem er sein Leben seit damals weitergeführt – und sich in den Besitz einer vergünstigten Konzertkarte gebracht hat.
Tom denkt fieberhaft:
Narben-Eddie, verdammter Mist! Hat Dich der Teufel doch noch nicht geholt!
München, ausgerechnet München – hier also hast Du Dich all die Jahre versteckt und uns alle zum Narren gehalten mit Deinem Gamsbart und Deiner speckigen Lederhose!
Während diese Gedanken durch mein Gehirn jagen, singe ich die ersten Songs beinahe mechanisch herunter, bekomme nichts mit vom Publikum vor mir, von der Band hinter mir, von den Sicherheitsbeamten neben mir, die ich wegen erhöhten Stalker-aufkommens jetzt immer mit auf die Bühne nehme.
Narben-Eddie, der ehemalige Preisboxer, sitzt nur da und grinst mich an: Sein stinkendes Maul präsentiert mir hämisch die Zähne all seiner besiegten Gegner, die er sich als Trophäen über seinen eigenen Hauer hat einschleifen lassen.
Und neben ihm entdecke ich den Traum meiner Jugend, meine unerfüllte Liebe aus alten Tagen!
Silvana, eine stolze Frau, damals schon.
Jedenfalls zu stolz um einen Emporkömmling wie mich heiraten zu wollen.
Und jetzt Hand in Hand mit Eddie?
Das kann einfach nicht sein, das darf einfach nicht sein.
Immerhin war er doch der größte Versager von allen gewesen: kein Job, kein Geld, keine Ahnung wie’s weitergehen soll.
Mühsam hangele ich mich durch die erste Hälfte des Konzertes, meine Augen immer auf Silvana.
Bilde ich es mir ein, oder leckt sie sich ab und zu über ihre Mundlippen, nur ganz leicht und schaut mich dabei an?
Verführerisch, mit Augen, die alles versprechen, ohne erst über die Bezahlung reden zu müssen?
Schweißgebadet rette ich mich in die Pause.
Von der Band hat niemand etwas mitbekommen, die saufen und erzählen sich grölend schmierige Geschichten. Einfaches Volk, schlichte Gemüter mit einem verhängnisvollen Drang zu Drogen!
Jungs, legt endlich die Spritzen weg, verdammt!
Aber sie lachen mich nur aus, ein heiseres Krächzen, mehr tot als lebendig, entfährt den immer durstigen Kehlen. Ihre traurigen Augen sind schon längst erloschen, erloschen im gleißenden Licht des Showbusiness.
Kann einfach nicht jeder diese Drecksarbeit, nicht jeder hält das durch, aber ich dachte, zumindest ich hätte es geschafft!
Fehlanzeige, ermattet schleppe ich mich in meine Garderobe.
Das Licht brennt, komisch, dabei hatte ich doch die Glühbirne erst vor dem Konzert noch wutentbrannt kaputtgehauen…
„Bitte erschrick nicht, Tom. Ich muss mit Dir reden.“
Ich zucke erschreckt zusammen, da kauert sie in der Ecke, ein verdammt hübsches Häufchen Elend: Silvana. Tränen laufen ihr über das Gesicht, aber es sind meine eigenen, denn ich stehe genau über ihr.
Was gibt es da noch zu sagen, Baby? Du hast mich verschmäht, damals, und jetzt zeigst Du Dich nach all den Jahren an der Seite von Narben-Eddie?
Verletzter Stolz hat mein Herz hart gemacht und ich reiche ihr kein Taschentuch.
Sie beginnt zu erzählen, erzählt mir ihr ganzes Leben, ruhig und detailliert, nur bei den Bettgeschichten muss ich noch ein paar Mal nachfragen.
Ihr größtes Geheimnis: Sie hat ihren Geliebten umgebracht!
Ganz nüchtern spricht sie über den Abend, der beider Leben für immer verändern sollte.
Zu einem gemeinsamen Saunagang hatten sie sich verabredet, doch er erschien einfach nicht. Sie saß allein in dem Bretterofen und schwitzte vor sich hin. Nach ein paar Stunden bei 70 Grad war sie natürlich sehr durstig geworden und hatte sich ein paar Flaschen Wein genehmigt. An ein vernünftiges Gespräch war da natürlich nicht mehr zu denken, als er dann mitten in der Nacht endlich aufkreuzte.
Zwei Schüsse zum Abschied und es war endgültig aus zwischen ihnen…
Schluss. Ende. Silvana hat ihre Lebensbeichte hinter sich gebracht, jetzt muss sie nur noch ein weiteres Unrecht gutmachen:
„Mir ist so heiß, kann ich hier irgendwo duschen?“
Dusche gibt es nicht, Baby, nur das kleine Waschbecken in der Ecke mit dem rostigen Wasserhahn. Bedien Dich, wenn Du magst.
Und ja, sie bedient sich, duscht unter wilden Verrenkungen im Waschbecken, was starke Erotik bei allen Beteiligten hervorruft.
Ich steige zu ihr, wir waschen uns gegenseitig, waschen uns die Sünden vom Leib, nur um sogleich neue zu begehen!
Das Konzert kann schließlich fortgesetzt werden.
Ich singe und tanze und lache Silvana an.
Sie lacht zurück.
Narben-Eddie lacht nicht mehr.

Lesen Sie unbedingt auch den nächsten Teil:
Tourbuch Extrem: Ich bin ein Star, lasst mich hier rein!

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