OH LALA FRAU DOKTORIN!!!
Liebe Leute,
das Sehvermögen ist ein wichtiger Faktor in meinem Leben und wer mich kennt, weiß, dass ich mir jeden Abend einen Tropfen Olivenöl in die Augen gebe, wegen der Pflege.
Umso schlimmer traf mich da natürlich die Erkenntnis, dass ich mittlerweile immer öfter auf eine Brille angewiesen bin, teilweise sogar im Schlaf!
Wenn man sein eigenes Publikum nicht mehr erkennt, die gelangweilten und verärgerten Gesichter nicht mehr unterscheiden kann, dann ist das einfach traurig.
Und in der Öffentlichkeit darf ich keine Brille tragen wegen der Fans, die mich auf ewig konserviert in meiner jugendlichen Schönheit von vor 2 Jahren sehen wollen!
Das ist jetzt aber auch schon wieder vier Jahre her und in dieser Zeit ist es mit mir bergab gegangen, meine Herren!
Auf der Bühne finde ich mich meist nur noch zurecht mit meinem Geruchssinn, denn die Jungs aus der Band haben alle ihren eigenen Gestank, der mir zeigt, ob ich gerade eher bei „Dampfqualle“ Fischer stehe, oder in der Nähe von „Faulbrot“ Köster.
Aber dass ich mir mal mit Freude einen Erotik-Film angeschaut habe, das ist schon ewig her.
Macht auch einfach keinen Spaß, wenn Du nicht siehst, ob das jetzt von Beate Uhse ist oder Heinz Sielmann!
So ging’s jedenfalls nicht weiter, deswegen hab ich vor einer Woche eine Laseroperation gemacht, wo einem die Augen systematisch verdampft werden bis zur optimalen Sehkraft.
Man muss sich das ungefähr so vorstellen, als ob Dir da einer mit ner Taschenlampe in die Glotzer scheint, nur dass die ganz klein ist und dafür aber mit der vollen Power von 100 Duracell arbeitet.
Eigentlich ganz einfach, die Sache.
Dass bei mir aber mal wieder trotzdem nicht alles optimal abläuft, war ja wohl klar, oder?
Das ging schon los bei der Voruntersuchung, wo die Augen vermessen werden mit ganz obskuren Apparaturen.
Die strenge Ärztin befahl mir erstmal mich frei zu machen, auch untenrum, was mir nicht direkt einleuchtete im Zusammenhang mit der Fehlsichtigkeit.
Aber von der Untersuchung her lief dann alles zu meiner vollsten Befriedigung, deswegen hab ich Frau Doktor auch doppelte Praxisgebühr in die Hand gedrückt.
Ein paar Tage später war dann die eigentliche Operation: Ich natürlich voller Vorfreude, extra fein gemacht und hab auch Seife benutzt, doch im OP-Saal erwartet mich jetzt nur ein freundlicher Herr, der den Eingriff vornehmen wird.
Als erstes bekomme ich ein paar Tropfen, die das Schmerzempfinden dämpfen und die sind auch absolut nötig: Bevor der Laser mit dem Verdampfen beginnen kann, muss erstmal die oberste Schicht vom Auge abgelöst werden.
Dazu benutzt der Doktor eine Art Schälmesser, das er mir einmal quer durch die Linse zieht. Das Auge hält er dabei mit Daumen und Zeigefinger, die er aber vorher mit Kreide bestäubt hat, damit nichts verrutscht.
Das brennt schon ordentlich!
Dann soll es eigentlich losgehen, aber der Laser funktioniert nicht richtig, der ist viel zu stark eingestellt und piekst den Doktor in den Hintern, als er dagegen stößt.
Das tut natürlich sehr weh und ein Tritt ins Getriebe befördert den blöden Apparat in die Reparaturbedürftigkeit.
Was nun?
Halb benommen lieg ich auf dem Tisch, das linke Auge neben mir und es kann nicht mehr lange warten, weil ich es ja nicht durch Wimpernschlag feuchthalten kann.
Behelfsmäßig spucke ich ab und zu rüber mit einer Technik, die ich mir während der Bandproben für die letzte Tournee angeeignet habe.
Doch der Arzt hat glücklicherweise in Russland gelernt und weiß sich auch in dieser vertrackten Situation zu helfen:
Er nimmt ein Feuerzeug und hält davor eine starke Lupe, so kann er auch ohne moderne Technik nach der traditionellen Methode mit viel Geschick und Augenmaß meine Augäpfel kunstvoll bearbeiten!
Jetzt, nach 2 Wochen, läuft das Faulwasser schon deutlich besser ab und die Verbände sollen auch bald runter.
Für den Fall, dass doch was schiefgegangen ist, hat Manager Arne aber schon vorgesorgt:
Schön mit Sonnenbrille auf die Bühne und dann Songs von Ray Charles bis zum Abwinken!
Bis Dahin,
Euer Tom
